Landesverband Salzburg
NOTRUF 144

Geschichte der Wasserrettung Wallersee

Die Wasserrettung fand im Salzburger Seenland ihren Anfang in den 1970er Jahren. Zu dieser Zeit wurde auch die Wasserrettung Wallersee von Kurt Weissenböck gegründet, der die Leitung von 1969 bis 1976 innehatte. In den Anfangsjahren gab es am Wallersee einen Stützpunkt in Zell und einen in Seekirchen.

1972 wurde der Wasserrettung vom Kiwanis-Club das erste Einsatzboot, ein D31 Hartschalen-Außenborder, gesponsert, welches ab dem Zeitpunkt bei zahlreichen Sturmeinsätzen, Überwachungen von Regatten sowie sonstigen Anlässen im Einsatz war. Ab 1972 gab es am Wallersee unter der Leitung von Karl Belcl, der die Wasserrettung 1976 übernahm, außerdem einen Taucheinsatzzug mit etwa 10 Tauchern, die bei der Bergung von Pkws, Booten, Wertgegenständen und leider auch von Personen im Einsatz waren. Auch wurden viele freiwillige Stunden in die Verlegung der Abwasserleitungen im Wallersee und Mondsee sowie in zahlreiche Übungseinsätze wie Eis- und Nachttauchen oder Salzachschwimmen, investiert.

Taucheinsatzzug von links nach Rechts: F. Krichhammer,
F. Junger, P. Kronberger, K. Belcl und Jo Stemeseder
Das erste Motorboot, die D31

1979 gab Karl Belcl die Leitung an Johann Neuhofer weiter, der die Tätigkeiten in und um die Wasserrettung am Wallersee bis 1983 koordinierte. Im Jahr 1982 gründete Doris Amerhauser eine Jugendgruppe. Zwei Jahre später, 1984, wurde die Einsatzleitung des Wallersees unter ihrer Leitung nach Eugendorf verlegt.

Neben den Schwimmausbildungen wurden im Naturstrandbad in Zell Bade- und Regattaüberwachungsdienste am Wallersee durchgeführt. Dafür wurde das in Seekirchen stationierte, gerade überholte und mit einem neuen Motor ausgestatte Motorboot D31 verwendet.

Im Sommer 1985 wurde die Wasserrettung in Zell Opfer von einigen Sabotagefällen. Immer wieder wurde das Boot in der Nacht von Unbekannten losgebunden, sodass es am Morgen irgendwo am See trieb. Auch Ausrüstungsgegenstände verschwanden über Nacht. Den Gipfel stellte das Durchschneiden der Benzinleitung des Bootes und das Füllen des Benzintanks mit Wasser dar, welche die Einsatzbereitschaft der Wasserrettung maßgeblich beeinträchtigte.

1990 löste Josef Schlager Doris Amerhauser als Einsatzleiter ab und zeigte bereits im August 1991 bei einem Hochwasser in Seekirchen volles Engagement.

Zum 10-jährigen Jubiläum der Jugendgruppe Eugendorf wurde 1992 ein weiteres Boot, eine Coronet 21TC mit Innenbordmotor und Kajüte, angeschafft. Das Boot wurde von den Mitgliedern selbst umgebaut und ÖWR-tauglich gemacht. Für den schnellen und sicheren Transport des Bootes sowie für andere Einsätze wurde noch ein Einsatzbus (Mitsubishi Allrad) in den Dienst gestellt. Durch das Veranstalten von Bierzeltfesten und Adventmärkten, diverse Spendensammlungen und die Unterstützung des Landesverbandes konnte man sich an diese Anschaffungen heranwagen.

Der Dienstraum im Naturstrandbad Zell Der erste Bus und das erste Kajütenboot 1994 Adventmarkt 1995

Zu dieser Zeit gab es am Wallersee eine Infostelle der Wasserrettung in Henndorf sowie eine weitere Gruppe in Neumarkt, welche allerdings bald wieder geschlossen wurde.

Nachdem die Einsatzleitung nun am ganzen See präsent war, erfolgte am 28. Mai 1993 die Umbenennung von „Einsatzleitung“ in „Haupteinsatzleitung Wallersee“. Im Zuge dessen wurde die Einsatzleitung wieder zurück nach Seekirchen verlegt. Von den Gemeinden Eugendorf und Seekirchen wurden großzügigerweise zwei neue Handfunkgeräte gespendet, durch die die Funkverbindung zum Roten Kreuz wesentlich verbessert werden konnte.               

Insgesamt neun Jahre leitete Josef Schlager die Wasserrettung, bis sie 1999 von Erwin Ibertsberger übernommen wurde. Im selben Jahr wurde mithilfe des Stellvertreters Gerald Thonhofer ein neuer Einsatzbus (Ford-Transit) angeschafft.

Im Jahr 2001 erfolgte die Umbenennung von „Haupteinsatzleitung Wallersee“ in „Ortsstelle (OS) Wallersee“.

Gerald Thonhofer war auch maßgeblich daran beteiligt, dass Dieter Strohmeier der Wasserrettung beitrat. Er integrierte ihn kurzerhand in die Gruppe und schlug ihn im Jahr 2002 als neuen Ortsstellenleiter vor. Zu dieser Zeit waren der Ford-Transit sowie zwei in die Jahre gekommene Boote im Einsatz.

Unter dem neuen Ortsstellenleiter und seiner ersten Stellvertreterin Ingrid Fink war der Zulauf der Jugend so groß, dass es zu einer Wartezeit von bis zu zwei Jahren für die Aufnahme neuer Kinder für die Schwimmausbildung kam.

Ingrid Fink ist es auch zu verdanken, dass durch unzählige Aktivitäten, wie Schwimmkurse, Zeltlager, Fahrradausflüge oder Wandertouren, viele der damaligen Kinder nach wie vor Mitglieder der Wasserrettung sind.

Seit Dieter Strohmeier die Leitung hat, wurde vieles geschaffen. Im Jahr 2002 wurde gemeinsam mit Nautikwart Edmund Pertholt das neue Einsatzboot „Delfin 8“ angeschafft, welches seither fix im Strandbad Seekirchen stationiert ist. Weiters wurde gemeinsam mit Familie Priewasser, den Pächtern des Strandbades, der Überwachungsturm errichtet, der im Sommer nach wie vor als Stützpunkt für die Überwachung des Badebetriebs dient.

Noch im selben Jahr wurde die Ortsstelle Wallersee zu einem großen Hochwassereinsatz nach Perg in Oberösterreich gerufen.

Hochwasser in Perg 2002 Goldene Krone für junge Lebensretter 2003 Schauübung Wallersee 2002

2002 wurde der Wasserrettung von der Gemeinde Seekirchen ein Carport am Eislparkplatz in Seekirchen zur Verfügung gestellt, der von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht war.

2005 wurde Mittersill von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht. Auch hier rückte die Wasserrettung Wallersee aus und half. Um bei solchen Einsätzen und Einsätzen auf benachbarten Seen besser helfen zu können, wurde im Jahr 2006 ein Schlauchboot angeschafft, welches noch im selben Jahr unter anderem bei der Suche nach einem vermissten Fischer am Wallersee eingesetzt wurde.

Hochwasser Mittersill 2005 Poller Schneiden 2005 Bootsweihe vom ersten Schlauchboot 2006

Zu einem besonders dramatischen Einsatz wurde die Wasserrettung im Oktober 2007 an den Wolfgangsee gerufen. Ein Au-pair-Mädchen aus Rumänien stürzte bei einer Bootsfahrt in den See und ertrank. Erst nach tagelanger Suche konnte das Mädchen geborgen werden.

Im Frühsommer 2009 trat ein Grazer Vermessungsbüro mit der Bitte, bei der Vermessung der Salzach vom Wasser aus zu helfen, an die Wasserrettung heran. Mehrere Wochen lang wurde bei Tag und sogar bei Nacht vom Boot aus gearbeitet, um bestimmen zu können, wie viel Material zur Befestigung des Salzachufers nötig sei. Im Zuge dieser Arbeiten half die Wasserrettung auch bei der Vermessung von Teilen des Zillers in Tirol.

2010 wurde ein zweites Einsatzfahrzeug (VW T5) gekauft. Im selben Jahr war die Ortsstelle Wallersee im November Teil einer groß angelegten Suchaktion am Irrsee. Insgesamt 100 Taucher etlicher Ortsstellen suchten über zwei Wochen lang nach einem vermissten Fischer.

Vermessung der Salzach 2009 Hubschrauberübung 2009 Fahrzeugsegung VW T5 2010

Einen heftigen Schlag musste die Wasserrettung im Herbst 2011 hinnehmen, als in den Container im Carport eingebrochen, ein Großteil der Ausrüstung gestohlen und das neu gekaufte Fahrzeug beinahe schrottreif gefahren wurden. Dieser Vorfall war ausschlaggebend dafür, dass gemeinsam mit der Seekirchner Bürgermeisterin Mag. Monika Schwaiger und dem Vizebürgermeister Konrad Pieringer intensiv nach einem angemessenen Vereinsheim gesucht wurde.

Nur ein Jahr später, im Herbst 2012, wurde zu allem Überfluss noch das Schlauchboot gestohlen. Ein neues Schlauchboot konnte aber im selben Jahr angeschafft werden.

Mit der Festlegung des Standortes für die Zeugstätte im Strandbad Seekirchen konnte mit der Planung des heutigen Gebäudes begonnen werden. Der Seekirchner Architekt Dipl.-Ing. Helmuth Romaner stand der Wasserrettung von der ersten Skizze bis zur Fertigstellung bei allen Aufgaben stets engagiert zur Seite.

Nachdem schnell klar wurde, dass die Kosten eines Neubaus erheblich waren, wurde die Entscheidung getroffen, die Außenstelle Henndorf in die Ortsstelle Wallersee zu integrieren. Somit konnten auch die Gemeinden rund um den Wallersee für eine Mitfinanzierung gewonnen werden. Die Organisation verschiedener Veranstaltungen sowie eine Spendensammlung in Seekirchen brachten weitere finanzielle Mittel ein. Nach unzähligen Besprechungen konnte sich die Wasserrettung Wallersee über die Zusage der Gemeinden und des Landesverbandes der Österreichischen Wasserrettung sowie über die Unterstützungserklärung vieler Firmen freuen und mit dem nächsten Bauabschnitt beginnen. Trotz aller anfallenden zusätzlichen Bauarbeiten vernachlässigte die Wasserrettung ihre Haupttätigkeiten nicht.

Im September 2012 war die Wasserrettung Wallersee Teil einer groß angelegten Suchaktion nach einem neunjährigen Buben in Werfen. Das Kind war mit seinen Eltern auf die Burg unterwegs, als es in die Salzach stürzte. Der Bub konnte leider nur mehr tot geborgen werden.

Übung Salzach 2011 Bootsbergung Hochwasser 2013 Katastropheneinsatz Bosnien 2014

Ein heftiges Hochwasser im Juni 2013 forderte viele Einsatzstunden in der Heimatgemeinde. Außerdem überwachte die Ortsstelle Wallersee, so wie jedes Jahr, viele Regatten, hielt Schwimmkurse ab, rückte zu Bootsbergungen und leider auch zur Suche nach vermissten Personen aus. Zu einem besonders tragischen Einsatz musste die Wasserrettung im November an die Salzach ausrücken. Ein 18-jähriger war nach einer nächtlichen Lokalrunde nicht nach Hause gekommen. Erst im Dezember konnte die Leiche des Burschen geborgen werden.

Im Mai 2014 nahm die Österreichische Wasserrettung an einem Katastrophenhilfseinsatz in Serbien sowie Bosnien-Herzigowina teil, wo die Menschen nach lang anhaltenden Regenfällen mit schweren Hochwassern zu kämpfen hatten. Alleine aus der Ortsstelle Wallersee fuhren fünf Hilfskräfte in das Katastrophengebiet.

Im Sommer 2014 wurde die Wasserrettung zu einer Vermisstensuche an den Holzöstersee sowie in den Bereich des Fenninger Spitzes am Wallersee gerufen. Beide Personen konnten nach kurzer Suche geborgen werden.

Die Angebotslegungen der Firmen für den Bau der Zeugstätte stimmte die Ortsstelle sehr zuversichtlich, mit den aufgebrachten Mitteln von 360.000,- Euro die Baukosten einhalten zu können. So konnte am 8. September 2014 der Spatenstich gefeiert werden und die Vorfreude auf das eigene Heim war bei der gesamten Belegschaft sehr groß.

Selbstverständlich ließen es sich die Mitglieder der Wasserrettung nicht nehmen, selbst beim Bau mitzuhelfen. So wurde beim oberen Stockwerk selbst gedämmt, isoliert, gestemmt, installiert, gespachtelt und gemalt und auch beim unteren Stock brachten sich die Mitglieder ein. Nach insgesamt 9 Monaten Bauzeit und 2687,5 ehrenamtlichen Stunden auf der Baustelle konnte das neue Zuhause der Ortsstelle Wallersee am 16. Mai 2015 mit knapp 600 Gästen feierlich eingeweiht werden. Sämtliche Einsätze am Wallersee gehen seither von dort aus und werden auch von dort geleitet.

Spatenstich 8. September 2014 Zeugstättenbau Einweihungsfeier 16. Mai 2015

Da absofort Räumlichkeiten für Übungen etc. zur Verfügung standen, wurden wieder regelmäßig Übungstermine vereinbart. Das neue Auftreten der Ortsstelle sorgte auch dafür, dass sich die Gruppe über mehrere Neuzugänge freuen durfte.

Leider musste die Wasserrettung Wallersee im selben Jahr zu Vermisstensuchen an den Holzöstersee und an die Salzach ausrücken. Auch im Strandbad Seekirchen wurde eine Pensionistin aus dem Wasser geborgen. 

Der 1999 gekaufte Einsatzbus Ford-Transit wurde im Frühling 2015 außer Dienst gestellt. Die Wintermonate wurden dafür genutzt das 2002 gekaufte Einsatzboot zu restaurieren, um es noch einige weitere Jahre im Dienst der Wasserrettung behalten zu können. Wiederum wurden dabei sämtliche Arbeiten von den Mitgliedern selbst übernommen. Durch ein Sponsoring von KR Erich Wagner, dem Betreiber des Freizeitparkes Fantasiana in Straßwalchen, konnte der Großteil der Kosten dafür gedeckt werden.

Das Jahr 2016 begann für die Wasserrettung Wallersee mit Neuwahlen. 14 Jahre nachdem Dieter Strohmeier die Ortsstelle übernahm und seither viele Meilensteine setzen konnte, übergab er die Führungsposition an Constantin Naderer, der bereits seit 1999 engagiertes Mitglied der Ortsstelle ist.